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Wie die ersten Boards nach Sylt kamen…11 Fragen an den ältesten Surfer der Insel


Wellenreiten in Deutschland? Sogar Wellen wie auf Bali , surfen mit Schweinswalen und das noch auf einer zauberhaften idyllischen Insel? Ja, all das finden wir ganz im Norden des Landes. Denn die Insel Sylt ist nicht nur ein Reichen-Hotspot, sondern vor allem das Surf Mekka der deutschen Wellenreiter. Ich hatte das große Glück und durfte einen der ersten Surfer der Insel interviewen. An dem Tag des Interviews mit Uwe standen wir bereits alle in den Startlöchern, da beste Druckwellen angesagt waren und wir bekamen dieses Geschenk sogar. Es war einer der Tage, die man als Surfer der Insel nie wieder vergessen wird.

Wie die ersten Bretter nach Sylt kamen und wie sich das surfen auf der Insel verbreitete verrät uns einer der ältesten Surfer der Insel: Uwe Behrens, der inzwischen schon 74 Jahre alt ist und noch aktiver Surfer ist.

uwe surfer aus sylt

Wie bist du zum Surfen gekommen und wann hast du deine erste Welle gesurft?
So richtig gesurft, also auf einem echten Surfbrett, das habe ich erstmals in Westerland im Jahr 1963 gemacht. Damals war ich Rettungsschwimmer am FKK Strand in Westerland und das Brett hatte ich gerade aus Frankreich bekommen.

Was hat dich damals am Surfen fasziniert?
Ja, wir hatten das Surfen schon ab und zu in Illustrierten und auf Bildern gesehen, aber kannten das Surfen selber nicht. Klar, wir haben schon vorher auf Luftmatratzen gesurft oder auf den Brettern von uns Rettungsschwimmern.  Als Kinder haben wir viel ausprobiert, aber vom richtigen Surfen hatten wir noch wenig Ahnung.

Wie kamen die Bretter auf die Insel und welches war das erste richtige Brett hier?
Mein Brett aus Frankreich war das erste richtige Surfbrett auf der Insel. Schon ein Jahr später sind wir dann nach Biarritz  gefahren und haben uns dort Bretter gekauft und auch welche bestellt.

surfers surfclub sylt
Picture via www.surfclubsylt.de

Ging somit der Surf Hype auf der Insel los?
Nein, es waren nur die Rettungsschwimmer, die wirklich surften und damals hatten wir die Wellen noch für uns allein. Wir hatten zwar einen Surfclub gegründet, aber der bestand gerademal aus 20 Mitglieder, aber alles aktive Surfer. Wir waren wirklich so 10 Jahren komplett unter uns.

surfers surfclub sylt uwe

Picture via www.surfclubsylt.de

 

Wie verbreitete sich das Surfleben auf der Insel?
Wir hatten ja den Club und dann kam noch einer aus Hamburg und einer aus Bremen dazu, die wir aufgenommen haben. Die haben’s dann auch so ein bisschen nach draußen getragen. Ja , wir natürlich auch. Ich war das erste Mal 1966 in England zum Surfen. Damals war ich der erste deutsche Surfer, den sie je dort gesehen hatten. Ich fuhr damals eine Ente … auch die Ente kannten die Engländer nicht. Die waren immer am Schaukeln an dem Ding und freuten sich so richtig über die Kiste. In den Kneipen damals hatte ich immer alles frei, obwohl ich normal gar nicht Bier trinke. Ich bekam von allen Seiten das Bier rüber geschoben. England hat mir echt gut gefallen, war wirklich nett. Ich bin später oft wieder zum Surfen hingefahren.

surfing sylt geschichte

Was war dein schlimmstes Surferlebnis?
Das war in Portugal. Wir waren bereits so 3 -4 Stunden auf dem Wasser hinter einem Riff und der Pegel war um 1,5m bis 2m gefallen. Wir hatten deshalb nicht gesehen, dass vorne in der Brandung große Felsen lagen. Die Brandung war enorm an dem Tag und ich wollte mit der Welle raussurfen, bin dann aber gefallen und direkt zwischen zwei Felsen gelandet. In dem Moment hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen und dachte , das war’s jetzt. Ich dachte nur noch, das Brett ist kaputt und du bist tot, aber die Welle haute so rein, dass ich mit dem Schwall der Welle, die rein sauste, hinter den Felsen gezogen wurde und sogar mit meinem Brett über den Felsen hinweg gehoben wurde. Dahinter landete ich dann im seichten Wasser, aber in dem Moment hatte ich wirklich mit meinem Leben abgeschlossen. Da habe ich echt Glück gehabt.

In Australien bin ich auch mal von einer riesigen Welle von oben von der Spitze gefallen und die Welle sauste auf mich drauf, sodass ich bestimmt 2 Minuten unter Wasser war. Das war auch heftig, aber ging noch und ich bin auch direkt weiter gesurf und im Wasser geblieben.

Haben sich durch die Stürme die Bedingungen auf Sylt verändert?
Was schlechter geworden ist, wir haben keine Nordwest Stürme mehr, aber die Südwest Stürme gibt es immer noch. Nach diesen Nordwest Stürmen folgen dann oft wunderschöne Druckwellen, atlantische Dünung. Vor paar Jahren gab´s auch mal ein Orkan vor Helgoland , der an einem superschönen windstillen Tag beste Wellen bei uns reingedrückt hat. Heute sollen auch wieder Druckwellen von einem Hurricane vor Frankreich ankommen. Ja, jetzt im Herbst kommt wieder die Druckwellenzeit und es geht wieder richtig los. Bisher hatten wir ja erst zwei dieser perfekten Druckwellen-Tage.

surfen sylt

Surfst du immer noch?
Ja, im Moment habe ich eine Entzündung in der Schulter und muss ein bisschen vorsichtig sein, aber sonst bin ich jedes Jahr das Longboard Festival mitgesurft. Das wird dieses Jahr leider nicht klappen.

Das Longboard Festival ist Deutschlands einziger Longboard Surf Cup. Muss man bestimmte Skills haben, um am Longboard Festival als Frau mitzumachen?
Nein, es geht um den Spaß der Veranstaltung und bei den Frauen ist das eh ein wenig abgemildert. Hauptsache wir haben Spaß am Surfen. Es kommt ja auch immer auf die Bedingungen an und wir freuen uns über viele Teilnehmer.

surfen auf sylt

Hast du einen Lieblingsspot auf der Insel?
Früher war das dort, wo ich auch wohnte im Süden von Westerland. Da war eine schöne Sandbank, die vor allem bei Druckwellen gut lief.  Aber heute ist es hier an der Buhne 16. In Westerland surfen einfach zu viele und hier habe ich meine Ruhe.

sylt surfing

Hast du einen Lieblingsspot auf der Welt?
Portugal, Ericeira. Aber auch England und natürlich Australien, unbestritten das beste Revier, aber wann kommt man da mal wieder hin?! Irland ist auch wunderbar. Ach, eigentlich überall.

Was gibst du Surfanfängern mit auf den Weg?
Wenn man sich richtig für den Sport begeistert, dann braucht man eigentlich keine Tipps geben. Der Sport selbst formt sich von ganz allein. Man bekommt das, was man selber in sich trägt: die Liebe zur Natur und zum Meer. Ein richtiger Surfer  ist ein echter Naturfreund.

 

Die ganze Entstehungsgeschichte könnt ihr auch auf der Page vom Surf Club Sylt nachlesen:

Die Entstehungsgeschichte des Surf Clubs Sylt

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