mind., Salty Journal

Ode an die Reisefreundschaft


Reisefreundschaften. Jeder hat seine eigenen, kleinen Geschichte zu dem Thema zu erzählen. Über diese Personen, die man während einer Reise getroffen hat und die sie unvergesslich gemacht haben. Ich rede nicht davon, die neue beste Freundin zu finden. Was ich meine sind auch die kleinen Begegnungen. Die Mutter, die dich mit einem breiten Grinsen in ihr Haus zieht um dir erst einmal sämtliche kulinarischen Köstlichkeiten vorzuführen. Die Reisegruppe, die dich spontan ein paar Tage adoptiert. Jeder von ihnen beeinflusst deine Reise und bleibt irgendwie in deinen Gedanken. Manche mehr, andere weniger. Und weil wir die meisten dieser Reisebekanntschaften nicht wiedersehen,möchte ich ihnen heute diesen Post widmen. Die Ode an die Reisefreundschaft.

Ich reise gerne alleine. Das heißt nicht, dass ich meine Freunde nicht mag oder nicht mit ihnen reisen will. Ganz im Gegenteil, eigentlich ist mir nichts lieber, als meine Freunde um mich zu haben. Alleine reisen ist aber so eine Sache, manchmal ist es wie eine kleine Therapie, die Suche nach dir selbst. Man ist auf sich allein gestellt und muss alle Probleme alleine bewältigen. Man hat unglaublich viel Zeit nachzudenken und zu reflektieren. Und das beste – man kann einfach das machen, was man will, ohne Kompromisse einzugehen. Einziger Haken: Man ist halt alleine. Und das ist auf Dauer auch nicht immer cool, der Mensch ist ja schließlich ein Herdentier, ein bisschen soziale Interaktion muss da schon sein. Genau da kommen diese anderen ins Spiel. All diese Menschen, die man auf seinen Reisen trifft. Sie machen so einen unbeschreiblich hohen Anteil an der ganzen Reiseerfahrung aus und ohne sie wäre meine Reisesucht ganz sicher nicht so ausgeprägt (Fluch und Segen – vielleicht sollte ich mir das mit der Ode doch nochmal überlegen?)

Meine erste Reise auf eigene Faust ging nach Argentinien. Dort hatte ich ein Jahr vorher ein Austauschjahr gemacht und nun ging es zurück, um meine Freunde zu besuchen. Ich war noch nicht einmal volljährig, gerade mal 17. Landen sollte ich in Buenos Aires, bis Cordoba ging es dann mit dem Bus weiter. Doch Buenos Aires ist groß, und auch gar nicht mal so ganz ohne (für ein kleines Mädchen ohne Reiseerfahrung). Mein rettender Engel hieß Isabel. Ihren Bruder lernte ich im Flugzeug kennen, er sollte weiter nach Neuquen um dort zu heiraten, Isabel holte ihn vom Flughafen ab, um ihn zum Busbahnhof zu bringen. Mir zu helfen war selbstverständlich für sie. Mein Bus ging erst ein paar Stunden später als der von David, Isabels Bruder. Dass ich die Zeit alleine am Busbahnhof warte kam nicht in Frage. Isabel nahm mich mit nach Hause, machte mir etwas zu essen und fuhr mich dann pünktlich wieder zum Retiro. Was ich an dem Tag ohne sie gemacht hätte? Keine Ahnung…

Drei Jahre später, ich war wieder in Lateinamerika unterwegs. Diesmal ging es von Peru über Bolivien nach Argentinien. Irgendwo auf dem Weg von Peru nach Bolivien ging es dann aber erst einmal nicht mehr weiter. Mitten im Hochland, kurz hinter Puno, blieb unser Reisebus stehen. Erst dachte ich, das Problem wäre vielleicht schnell gelöst. Nach einer Stunde schwand die Hoffnung dann aber relativ schnell. Den Anschlussbus nach La Paz würde ich wohl nicht mehr erwischen. Genervt ging ich raus um eine zu rauchen. Dort stand schon ein kleines Grüppchen meiner Mitreisenden. Mit Zweien kam ich schnell ins Gespräch, die beiden kamen aus Chile und brachten mich zumindest kurzfristig von meiner schlechten Laune ab. Nach geschlagenen drei Stunden ging die Fahrt weiter, aber bis wir angekommen waren, war auch der letzte Bus nach La Paz abgefahren. Somit war ich bis zum nächsten Tag in dem malerischen Örtchen Copacabana am Titicacasee gestrandet. Diesmal waren die beiden Chilenen, Lucas und Nacho, meine Rettung. Sie überredeten mich zu einer kleinen Wanderung auf einen nahegelegenen Berg, von wo aus man einen wunderbaren Ausblick über den Titicacasee hat. Dort saßen wir den ganzen Abend, tranken Wein und genossen die Aussicht. Der ungeplante Aufenthalt in Copacabana hat sich also definitiv gelohnt, vor allem, weil der Kontakt danach noch so lange weiter bestand, dass ich sie im nächsten Jahr direkt in Chile besuchen konnte.

Titicacasee

Auch auf meiner letzten Reise, nach Kuba hatten wir ein paar tolle Begegnungen. Eine ganz besondere war David, unser spontaner Tourguide. Wir waren gerade in Santiago angekommen, liefen ein bisschen durch die Stadt und hatten eigentlich den Plan, uns das Castillo “El Morro”  anzuschauen. Das lag aber ein wenig außerhalb und die Taxifahrt dahin sollte eine ganze Stange Geld kosten. Auf der Straße begegneten wir dann einem Motorradfahrer und fragten ihn, eigentlich etwas scherzhaft, ob er uns nicht für ein bisschen Geld dorthin fahren könnte. Seine Antwort: “Warum nicht, ich hab eh gerade nichts vor und war lange nicht mehr dort”. Gesagt, getan, sprangen wir auf seine Maschine und düsten zum Castillo. David begleitete uns sogar mit hinein und wir setzen uns zusammen auf die Mauer über der Steilküste, von wo aus wir einen fantastischen Ausblick über das Meer hatten. Dort saßen wir fast zwei Stunden und David erzählte uns seine Geschichte. Er kam aus Kuba, lebte aber seit 20 Jahren in den USA und arbeitete dort. Als er damals wegging war es noch so, dass jedem der das Land verließ der gesamte Besitz genommen wurde und dieser an den Staat fiel. Er kam nun also nur noch zum Urlaub machen in seine Heimat und eröffnete uns spannende Ansichten über die politische und gesellschaftliche Situation des Landes. Danach fuhren wir noch alle zusammen an den Strand, er zeigte uns ein tolles Restaurant und wir blieben bis zum Abend dort. Danach brachte er uns wieder zurück in die Stadt und als wir ihm Geld geben wollten für die tolle Tour, die er mit uns gemacht hatte, winkte er ab und sagte, er hätte einen schönen Tag mit uns gehabt und würde dafür kein Geld haben wollen. Eine tolle Person, die wir niemals vergessen werden, wenn wir an unseren Kuba-Aufenthalt denken werden.

Castillo El Morro

Ihr merkt schon, ich könnte ewig so weitermachen. Es gibt einfach zu viele Geschichten. Die von meinem besten Freund in der Dominikanischen Republik, der mir immer wieder als persönlicher Seelsorger zur Seite stand; von der Kiwi-Truppe die mich in Indien adoptiert hat; von meinem Surflehrer in Australien, der mich sogar in Flensburg besuchen kam oder von dem verrückten Hostelbesitzer in Phonsavan, der uns mit seinen Verschwörungstheorien den Abend erheitert hat. Alle Geschichten zusammen würden wahrscheinlich ein ganzes Buch ergeben, deshalb beende ich hier für heute erst einmal. Was ich aber weiß ist, dass ich keine von ihnen je vergessen werde. All diesen Personen bin ich unglaublich dankbar und vor allem bin ich gespannt, welche weiteren Reisefreundschaften dort draußen noch auf mich warten.

Dominikanische Republik

Salar de Uyuni

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2 Comments

  • Während dem Reisen andere Reisende zu treffen ist das großartigste! Immerhin hat man dann schon einmal dieselben Interessen und das ist schon immer mal ein guter Start.

  • Das stimmt! Und es ist immer erstaunlich, was fuer interessante Gespraeche dann mit eigentlich “fremden” Menschen zustande kommen koennen :)

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