mind., Salty Journal

Mit dem Zug durch Indien, zwischen Romantik und Geduldsprobe.


Durch ein leichtes Ruckeln werde ich wach, schlage die Augen auf und brauche einen Moment um festzustellen, wo ich bin. Im Zug. Ich liege auf meiner Pritsche, sehe aus dem Fenster auf die endlosen Weiten Indiens.

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Dieser Moment ist magisch, wenn der Zug langsam erwacht, das geschäftige Treiben einsetzt, die Liegen hochgeklappt werden und man sein Frühstück mit dem Fahrtwind im Gesicht genießen kann. Zugfahren bedeutet für mich Freiheit, und in Indien ist es eine der besten Möglichkeiten um von A nach B zu kommen.

Der Weg zu einem Zugticket ist allerdings nicht so einfach. Generell sollte man die Tickets so früh wie möglich kaufen, da sie sonst sehr schnell ausgebucht sind. Man kann sie an sich online bestellen, auf der Seite der indischen Zuggesellschaft, der IRCTC. Der Haken an der Sache: Man muss sich mit einer indischen Handynummer registrieren. Daher geht es oftmals erst, wenn man vor Ort ist (außer man hat Bekannte in Indien). Der nächste Haken ist, dass man auf dieser Seite mit den meisten ausländischen Kreditkarten nicht bezahlen kann. Dafür gibt es Seiten wie beispielsweise cleartrip, über die man für eine kleine Gebühr die Tickets bestellen kann und die auch ausländische Karten nehmen. Für die Nutzung der Seite braucht man aber trotzdem die IRCTC-Registrierung, die beiden accounts werden dann verlinkt.

Wenn man es dann geschafft hat und registriert ist, kann es mit der Buchung losgehen. Wer dachte, dass der komplizierte Teil nun vorbei ist, Pustekuchen, bis man einen Platz im Zug ergattert ist es noch ein langer Weg :)

Für die kürzeren Reisen gibt es oft nur Sitzplätze, da kann man sich entscheiden, ob man mit oder ohne Klimaanlage buchen möchte und außerdem, ob man einen Sitzplatz reservieren möchte oder sich sonst auf die dritte Klasse und einen kleinen Kampf um den Sitzplatz einlässt. Bei den längeren Reisen gibt es Schlafplätze und natürlich auch wieder die große Auswahl: Man kann zwischen 1.-3. Klasse mit AirCon (1AC, 2AC, 3AC) wählen, je höher die Klasse desto mehr Komfort (irgendwie logisch). Außerdem gibt es noch die “Sleeper”-Klasse, oder auch “Holzklasse” genannt. Mein Favorit, man mag es kaum glauben. Komfort ist zwar eher Mangelware, man hat eine einfache Pritsche und keine Klimaanlage. Aber genau das ist das tolle, dafür sind nämlich die Fenster offen (Mückenspray nicht vergessen!!) und man kann wunderbar rausschauen und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Außerdem hängen uralte, rostige Ventilatoren von der Decke, wenn man Glück hat funktionieren die sogar und man hat ausreichend Belüftung. Wer sich, vor allem als Frau, um die Sicherheit Gedanken macht: Ich fand die Sleeper-Class vom Gefühl her sogar am sichersten, weil immer was los war. Auf sein Gepäck muss man im Zug eh immer ein Auge haben aber dank der Preisersparnis und der “romantischen” Stimmung in den uralten Waggons ist und bleibt die Holzklasse mein Favorit!

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Zu Schluss noch ein paar weitere Fakten, die man zum Zugfahren in Indien wissen sollte:

Wenn man online bucht, immer drauf achten, dass die Tickets wirklich noch verfügbar sind. Oft gibt es auch Wartelistenplätze, dann muss man hoffen, dass genug Leute stornieren und oft bis kurz vorher nicht ob man wirklich mitreisen kann.

Zur  Stornierung: Stornieren kann man die Reise immer recht kurzfristig und ohne große Verluste bis wenige Stunden vor Reiseantritt.

Es gibt immer noch ein Restkontingent an Tickets (Tatkal), die am Reisetag ab 8.00 oder 10.00 Uhr morgens verkauft werden. Entweder stellt man sich also um diese Uhrzeit an einen Ticketschalter (Kampf ist vorprogrammiert) oder man geht zu einem Reisebüro, wo man dann einen kleinen Aufpreis zahlt (das gilt auch für normale Tickets, ist zwar etwas teurer aber stressfreier),

Essen kann man im Zug recht gut&günstig kaufen, auch warme Mahlzeiten.

Die Toiletten sind nicht die Besten, aber auch nicht schlimmer als das was man im Rest des Landes findet :)

Ein letzter aber wichtiger Tipp: Achtet darauf, von welchem Bahnhof ihr abfahrt!!! Vor allem in Delhi macht es einen riesigen Unterschied und wenn ihr nicht vom Zentrum aus fahrt, kann schon diese Anfahrt zum Abenteuer werden!

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